Erste Hilfe

Einleitung

Sie denken, auch Sie hören ständig oder zeitweise ein tieffrequentes Brummen? Dann gilt es erstmal, Ruhe zu bewahren und sachlich und gelassen an die Ursachensuche zu gehen. Überprüfen Sie zunächst, ob das Brummen, das Sie hören, von der Geräusch-Charakteristik her in etwa dem folgenden Beispiel, nur etwas dumpfer, entspricht. Hören Sie sich die Audiodatei am besten mit guten Kopfhörern an und erhöhen Sie ggf. die Lautstärke:

(Audiodatei downloaden)

Wenn Sie ein ähnliches Brummen hören, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um den Brummton. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen folgende Maßnahmen.

Technische Maßnahmen

Überprüfen Sie, ob es in Ihrem Haus oder Ihrer Umgebung irgendwelche baulichen Veränderungen gab bevor der Brummton zum ersten Mal auftrat. Wurden Erdwärmebohrungen durchgeführt und danach eine Erdwärmepumpe eingebaut? Wurde irgendwo eine Luft-Wärmepumpe eingebaut? Oder hat ein Gebäude in der Nähe ein Blockheizkraftwerk bzw. neue Kühlungsaggregate bekommen? Gibt es bei Ihnen in der Nähe eine Fabrik mit einer lauten Lüftungsanlage? All das können Hinweise sein. Suchen Sie Ihre Umgebung nach möglichen Quellen für tieffrequenten Schall ab. Auch bei Nacht, da hier die übrigens alltäglichen Geräuschquellen weniger hörbar sind. In einem Leitfaden des Empa-Forschungsinstituts [1] finden Sie weitere Informationen zur Ursachensuche. Eine gute Lektüre ist auch die sehr aktuelle Publikation des Umweltbundesamtes [6].

Politische Maßnahmen

Zeitgleich mit den oben genannten Maßnahmen zur Ursachensuche sollten Sie unbedingt auch die lokalen Behörden verständigen. Erste Adresse hierbei ist das für Sie zuständige Gewerbeaufsichtsamt. Fordern Sie dieses auf, Geräuschpegelmessungen vorzunehmen. Es ist wichtig, dass den Städten und Gemeinden die Tragweite dieses Problems bewusst wird. Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass der Brummtonpegel bei Ihnen unterhalb der derzeit geltenden Grenzwerte liegt. Dies ist zur Zeit leider bei fast allen Brummton-Betroffenen der Fall, da die aktuellen Richtlinien zur „Messung und Beurteilung tieffrequenter Geräuschimmissionen“ (DIN 45680) veraltete Kriterien anlegen und der tatsächlichen Belastung mit Infraschall in keiner Weise gerecht werden. Dies haben sogar einige Gerichte erkannt (vgl. [2]) – passiert ist seitdem nichts. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Brummton-Betroffenen organisieren. Falls Sie es noch nicht getan haben, bitten wir Sie, uns an die Adresse @ zu schreiben und uns Ihre Erfahrungen zu schildern.

Kurzfristige Maßnahmen

Selbstverständlich gilt es, zunächst die Ursache der Brummtons zu finden und ihn dann dauerhaft abzustellen. Leider kann es aber durchaus etwas dauern, bis die Ursache gefunden ist, da bei der Schallausbreitung von tieffrequentem Schall verschiedene Faktoren eine Rolle spielen und den Behörden die Gefahr, die durch Belastung mit tieffrequentem Schall ausgeht, verkennen. Bis die Ursache gefunden ist, kann man aber versuchen, sich das Leben z. B. durch folgende Maßnahmen etwas erträglicher zu gestalten:

  • Musik hören, um den Brummton zu übertönen.
  • Eine Smartphone-App nutzen, die den Brummton übertönt. Für Android kann der Autor die App Frequency Generator (Pro) [3] und für Apple-Smartphones die App Audio Signalgenerator [4] empfehlen. Man sollte etwas herumprobieren, bis man eine Frequenz findet, die nicht zu aufdringlich ist, aber den Brummton gerade noch übertönt. Der Autor verwendet meistens Frequenzen zwischen 250 und 267 Hz. Die Lautstärke muss nicht voll aufgedreht werden. Es geht nur darum, dass der von der App erzeugte regelmäßige Ton den Brummton übertönt. Manchen Brummton-Betroffenen hilft auch das sogenannte Rosa Rauschen [5].
  • Irgendwohin fahren, wo man den Brummton nicht hört (positive Erfahrungen gibt es z. B. mit der Peloponnes, London, Japan).
  • Achten Sie auch darauf, wo Sie schlafen. Durch die besonderen Eigenschaften der Schallausbreitung in geschlossenen Räumen kann es vorkommen, dass das Brummen an einer anderen Stelle Ihres Schlafzimmers leiser ist – selbst wenn es nur 30 cm sind. Versuchen Sie, Ihren Schlafplatz geringfügig zu verlagern und überprüfen Sie dann nach einigen Minuten im Liegen, ob Sie das Brummen mehr oder weniger hören als an der bisherigen Stelle. U. U. finden Sie einen idealen Punkt, an dem Sie dem tieffrequenten Schall weniger ausgesetzt sind als zuvor.

Max Kisselew

Quellen:

[1] Leisen, störenden Geräuschen auf der Spur – Eine Anleitung zum Umgang mit leisen, störenden Geräuschen

[2] Quambusch, Erwin und Lauffer Martin (2008): Infraschall von Windkraftanlagen als Gesundheitsgefahr.

[3] Frequency Generator im Play Store

[4] Audio Signalgenerator im App Store

[5] Artikel zum Rosa Rauschen bei Wikipedia

[6] Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld – Ein Leitfaden für die Praxis