Brummton-Wissen

Hier finden Sie einige Links zu fundierten Informationen über Infraschall (0,1 bis 20 Hz) und tieffrequenten Schall (20 Hz bis 100 Hz).

Erste Hilfe

Einleitung

Sie denken, auch Sie hören ständig oder zeitweise ein tieffrequentes Brummen? Dann gilt es erstmal, Ruhe zu bewahren und sachlich und gelassen an die Ursachensuche zu gehen. Überprüfen Sie zunächst, ob das Brummen, das Sie hören, von der Geräusch-Charakteristik her in etwa dem folgenden Beispiel, nur etwas dumpfer, entspricht. Hören Sie sich die Audiodatei am besten mit guten Kopfhörern an und erhöhen Sie ggf. die Lautstärke:

(Audiodatei downloaden)

Wenn Sie ein ähnliches Brummen hören, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um den Brummton. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen folgende Maßnahmen.

Technische Maßnahmen

Überprüfen Sie, ob es in Ihrem Haus oder Ihrer Umgebung irgendwelche baulichen Veränderungen gab bevor der Brummton zum ersten Mal auftrat. Wurden Erdwärmebohrungen durchgeführt und danach eine Erdwärmepumpe eingebaut? Wurde irgendwo eine Luft-Wärmepumpe eingebaut? Oder hat ein Gebäude in der Nähe ein Blockheizkraftwerk bzw. neue Kühlungsaggregate bekommen? Gibt es bei Ihnen in der Nähe eine Fabrik mit einer lauten Lüftungsanlage? All das können Hinweise sein. Suchen Sie Ihre Umgebung nach möglichen Quellen für tieffrequenten Schall ab. Auch bei Nacht, da hier die übrigens alltäglichen Geräuschquellen weniger hörbar sind. In einem Leitfaden des Empa-Forschungsinstituts [1] finden Sie weitere Informationen zur Ursachensuche. Eine gute Lektüre ist auch die sehr aktuelle Publikation des Umweltbundesamtes [6].

Politische Maßnahmen

Zeitgleich mit den oben genannten Maßnahmen zur Ursachensuche sollten Sie unbedingt auch die lokalen Behörden verständigen. Erste Adresse hierbei ist das für Sie zuständige Gewerbeaufsichtsamt. Fordern Sie dieses auf, Geräuschpegelmessungen vorzunehmen. Es ist wichtig, dass den Städten und Gemeinden die Tragweite dieses Problems bewusst wird. Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass der Brummtonpegel bei Ihnen unterhalb der derzeit geltenden Grenzwerte liegt. Dies ist zur Zeit leider bei fast allen Brummton-Betroffenen der Fall, da die aktuellen Richtlinien zur „Messung und Beurteilung tieffrequenter Geräuschimmissionen“ (DIN 45680) veraltete Kriterien anlegen und der tatsächlichen Belastung mit Infraschall in keiner Weise gerecht werden. Dies haben sogar einige Gerichte erkannt (vgl. [2]) – passiert ist seitdem nichts. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Brummton-Betroffenen organisieren. Falls Sie es noch nicht getan haben, bitten wir Sie, uns an die Adresse @ zu schreiben und uns Ihre Erfahrungen zu schildern.

Kurzfristige Maßnahmen

Selbstverständlich gilt es, zunächst die Ursache der Brummtons zu finden und ihn dann dauerhaft abzustellen. Leider kann es aber durchaus etwas dauern, bis die Ursache gefunden ist, da bei der Schallausbreitung von tieffrequentem Schall verschiedene Faktoren eine Rolle spielen und den Behörden die Gefahr, die durch Belastung mit tieffrequentem Schall ausgeht, verkennen. Bis die Ursache gefunden ist, kann man aber versuchen, sich das Leben z. B. durch folgende Maßnahmen etwas erträglicher zu gestalten:

  • Musik hören, um den Brummton zu übertönen.
  • Eine Smartphone-App nutzen, die den Brummton übertönt. Für Android kann der Autor die App Frequency Generator (Pro) [3] und für Apple-Smartphones die App Audio Signalgenerator [4] empfehlen. Man sollte etwas herumprobieren, bis man eine Frequenz findet, die nicht zu aufdringlich ist, aber den Brummton gerade noch übertönt. Der Autor verwendet meistens Frequenzen zwischen 220 und 265 Hz. Die Lautstärke muss nicht voll aufgedreht werden. Es geht nur darum, dass der von der App erzeugte regelmäßige Ton den Brummton übertönt. Manchen Brummton-Betroffenen hilft auch das sogenannte Rosa Rauschen [5].
  • Irgendwohin fahren, wo man den Brummton nicht hört (positive Erfahrungen gibt es z. B. mit der Peloponnes, London, Japan).
  • Achten Sie auch darauf, wo Sie schlafen. Durch die besonderen Eigenschaften der Schallausbreitung in geschlossenen Räumen kann es vorkommen, dass das Brummen an einer anderen Stelle Ihres Schlafzimmers leiser ist – selbst wenn es nur 30 cm sind. Versuchen Sie, Ihren Schlafplatz geringfügig zu verlagern und überprüfen Sie dann nach einigen Minuten im Liegen, ob Sie das Brummen mehr oder weniger hören als an der bisherigen Stelle. U. U. finden Sie einen idealen Punkt, an dem Sie dem tieffrequenten Schall weniger ausgesetzt sind als zuvor.

Max Kisselew

Quellen:

[1] Leisen, störenden Geräuschen auf der Spur – Eine Anleitung zum Umgang mit leisen, störenden Geräuschen

[2] Quambusch, Erwin und Lauffer Martin (2008): Infraschall von Windkraftanlagen als Gesundheitsgefahr.

[3] Frequency Generator im Play Store

[4] Audio Signalgenerator im App Store

[5] Artikel zum Rosa Rauschen bei Wikipedia

[6] Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld – Ein Leitfaden für die Praxis

 


Letztes Update: 15. Mai 2018

Mögliche Brummton-Ursachen

AKTUELL: Das Umweltbundesamt hat eine Publikation zum Thema Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld veröffentlicht. Hier können Sie die Publikation anschauen und downloaden: Tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld – Ein Leitfaden für die Praxis.


Anmerkung: Hier finden Sie eine kurze Aufzählung aktuell in Betracht kommender Ursachen für den Brummton und entsprechende Quellen. Dies sind leider noch keine gesicherten Erkenntnisse. Trotzdem können sie interessante und möglicherweise wertvolle Hinweise auf den Ursprung des Brummtons liefern.

Wärmepumpen

Stromleitungen

 


Letztes Update: 2017-03-25. Diese Seite wird nach und nach vervollständigt.

 

Betroffenen-Statistik für die Region Stuttgart

Hier sehen Sie in etwa, wie viele Brummton-Meldungen aus der Region Stuttgart uns bereits erreicht haben. Dies ist jedoch nur eine erste Statistik, bei der noch nicht alle bekannten Betroffenen erfasst sind. Sie lässt aber dennoch Rückschlüsse auf besonders belastete Regionen zu.

Stuttgart (40):

  • Bad Cannstatt: 2
  • Birkach: 1
  • Botnang: 3
  • Büsnau: 2
  • Degerloch: 1
  • Fasanenhof: 1
  • Feuerbach: 1
  • Heumaden: 1
  • Killesberg: 1
  • Möhringen: 7
  • Mühlhausen: 3
  • Ost: 2
  • Schönberg: 1
  • Sillenbuch: 4
  • Süd: 2
  • Vaihingen: 3
  • Weilimdorf: 1
  • West: 3
  • Zuffenhausen: 1

Landkreis Esslingen (45):

  • Aichtal: 1
  • Esslingen: 1
  • Filderstadt: 7
    • Bernhausen: 2
    • Bonlanden: 2
    • Harthausen: 2
    • Plattenhardt: 1
    • Sielmingen: 2
  • Leinfelden-Echterdingen: 36
  • Neuhausen: 1
  • Ostfildern: 1

Landkreis Böblingen (6):

  • Herrenberg: 2
  • Rutesheim: 1
  • Sindelfingen: 2
  • Waldenbuch: 1

Landkreis Ludwigsburg (8)

  • Bönnigheim: 1
  • Freudental: 1
  • Hemmingen: 1
  • Kornwestheim: 2
  • Marbach: 1
  • Markgröningen: 1
  • Remseck: 1

Rems-Murr-Kreis (7):

  • Fellbach (Schmiden): 1
  • Schorndorf: 2
  • Urbach: 1
  • Weinstadt (Endersbach): 1
  • Winnenden: 2
  • Schwaikheim: 1

Landkreis Göppingen (3):

  • Rechberghausen: 3

Sonst in der Region Stuttgart (Adresse nicht bekannt): 6

Falls Sie von Ihren Brummton-Erfahrungen berichten möchten, schreiben Sie bitte an @.


Letztes Update: 29. Januar 2023

Brummton in den Medien

Wir in den Medien

Fernsehberichte

  • Bericht aus der Sendung „Zur Sache! Baden-Württemberg“ vom 21. April 2016:

Zeitungsartikel

Andere Berichte

Fernseh-/Radioberichte

Region Stuttgart

 

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Nordrhein-Westfalen

 

Schweiz

 


Letztes Update: 31. August 2019

Mobilfunk als Brummton-Ursache?

Immer wieder werden Vermutungen geäußert, dass der Mobilfunk den Brummton verursacht. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand ist dies jedoch unwahrscheinlich. Nachfolgend möchte ich gern erläutern, wie ich zu dieser Einschätzung komme.

Das wichtigste Argument, das gegen den Mobilfunk spricht, ist, dass Mobilfunk hochfrequente elektromagnetische Strahlung ist. Diese Strahlung ist vereinfacht gesagt eine Art Licht, die wir Menschen nicht sehen können (vgl. [1]). Beim Brummton handelt es sich dagegen um niederfrequenten Schall bzw. um Vibrationen. Schall entsteht, wenn Luftmoleküle in Schwingung versetzt werden (vgl. [2]). Man sollte also diese beiden Dinge nicht vermischen. Es ist zwar möglich, dass sehr starke elektromagnetische Strahlung Geräuschempfindungen hervorrufen kann [3], aber dafür muss die Strahlungsleistung sehr hoch sein. So hoch kommen weder Mobilfunkmasten (auch Mobilfunk-Basisstationen genannt) noch Handys oder Smartphones.

Ein weiterer Punkt, der gegen Mobilfunk als Ursache für den Brummton spricht, ist die Charakteristik von elektromagnetischer Strahlung. Ich habe mich schon einmal damit beschäftigt und dazu mit einem Messgerät die Strahlungsintensität für die typischen GSM- und UMTS-Frequenzbänder in verschiedenen Wohnungen gemessen. Das erste, was mir dabei auffiel, war, dass die Strahlungsstärke sehr stark variiert – je nachdem, wo man sich befindet. Während sie manchmal in einer Ecke des Zimmers normal war, war sie in einer anderen Ecke viel niedriger. Außerdem schwankt die Strahlung an der gleichen Stelle oft. Der Brummton dagegen ist meistens in der gesamten Wohnung oder im gesamten Haus gleich gut hörbar. Oft kann man ihn sogar im Keller hören. Dort kommt Mobilfunkstrahlung normalerweise kaum hin. Man kann das ausprobieren, indem man sich mit einem Handy im Keller bewegt und dabei die Anzeige für die Empfangsstärke betrachtet. Diese wird in den meisten Fällen viel niedriger sein als in Wohnungen über dem Keller.

Eine oft übersehene Tatsache ist die Sendeleistung von Smartphones bzw. Handys. Diese ist gerade während eines Gesprächs um ein Vielfaches höher als die Sendeleistung von Mobilfunkmasten. Von der Strahlung eines Mobilfunkmastes kommt in den Wohnungen dagegen viel weniger an als man glaubt, da die Strahlungsintensität mit wachsender Entfernung zum Mast sehr schnell abnimmt. Wenn also der Mobilfunk den Brummton verursachen würde, müsste das Brummen während eines Handytelefonats besonders stark sein. Ich habe bisher jedoch weder selbst eine entsprechende Beobachtung gemacht noch Berichte über diesen Zusammenhang gehört. Gegen den Mobilfunk spricht auch, dass viele Betroffene den Brummton vor allem nachts verstärkt hören. Also zu der Zeit, in der kaum jemand mit dem Handy telefoniert.

Man soll mich hier nicht falsch verstehen. Ich sehe die Mobilfunk-Technologie nicht unkritisch, da beispielsweise die Grenzwerte in Deutschland höher sind als in anderen Ländern. Auch gibt es genug Hinweise darauf, dass elektromagnetische Strahlung Bio-Organismen auf verschiedene Arten beeinträchtigen kann. Es besteht also noch genug Forschungsbedarf in diese Richtung. Aber dass der Mobilfunk etwas mit den tieffrequenten Ton zu tun hat, der immer mehr Menschen in der Region Stuttgart und in anderen Teilen der Welt plagt, ist aus oben genannten Gründen sehr unwahrscheinlich. Die Mobilfunkmasten sieht man überall und ist daher möglicherweise eher geneigt, bestimmte Sorgen und Ängste auf sie zu projizieren. Aber man sollte sich hier nicht verunsichern lassen und lieber in Richtungen forschen, die plausibler erscheinen. Das sind vor allem mechanische Anlagen wie z. B. Industrieanlagen, Kühlaggregate, Blockheizkraftwerke, Luft-Wärmepumpen oder Gasverdichteranlagen.

Max Kisselew

Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetische_Welle
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schall
[3] Elder, J. A. und Chou, C. K. (2003): Auditory Response to Pulsed Radiofrequency Energy. In: Bioelectromagnetics Supplement, 24(6): 162-173. Download unter http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/bem.10163/pdf

 

Letztes Update am 23.09.2016